Der Schmetterlingstrieb (Hanno Millesi)

In der Kolumne Leseproben gibt es regelmäßig Einblicke in Romane, Erzählungen und Gedichtbände. Alle Texte sind bereits in Buchform erschienen.


_mg_6972Der Alltag als Abenteuer. Ein Winterspaziergang bei geöffneten Fenstern, eine Radtour von der Küche ins Schlafzimmer, ein paar Stunden im Schrank bei den Winterkleidern oder Detektivarbeit vorm Bücherregal – Hanno Millesi erzählt in seinem humorvollen und hintergründigen Roman von einem Menschen, der sich auf Expeditionen begibt, ohne die eigene Wohnung zu verlassen. Denn der Sinn des Lebens lässt sich ebenso unter dem eigenen Sofa aufspüren, wie ein Stück Unendlichkeit im auslaufenden Bade­wasser verlorengehen kann.


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[…]

Auf der Küchenablage entdecke ich eine tote Spinne. Sie liegt auf dem Rücken, und ihre abgeknickten acht Beine sind auf den Plafond gerichtet, als hätte sie bis zuletzt irgendetwas aus dieser Richtung erwartet. Weiterlesen →

Hanno Millesi

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Geboren 1966 in Wien, Studium an der Universität Wien und an der Hochschule für angewandte Kunst; in den 90er-Jahren u.a. Assistent von Hermann Nitsch und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums moderner Kunst in Wien. Auszeichnungen u.a.: Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien, Projekt- und Staatsstipendium für Literatur des BKA. Publikationen u.a.: Das innere und das äußere Sonnensystem (Erzählungen), Granturismo (Roman), Venusatmosphäre (Novelle) und zuletzt Der Schmetterlingstrieb (Roman); seine literarisch-bildnerischen Arbeiten werden derzeit im Literaturmuseum Wien ausgestellt.

 

In die Transitzone (Elena Messner)

In der Kolumne Leseproben gibt es regelmäßig Einblicke in Romane, Erzählungen und Gedichtbände. Alle Texte sind bereits in Buchform erschienen.


transitzone_zitatAls Daniel das südeuropäische Makrique erreicht, ist die Hafenstadt gezeichnet von den Ereignissen der letzten Monate. Wo früher in den Yachtclubs Partys gefeiert wurden, suchen die Einheimischen nun das Meer nach ertrunkenen Flüchtlingen ab. Der Hafen ist durch Streiks stillgelegt, die Bevölkerung gespalten. Daniel zieht durch die Straßen und sieht sich schnell mit den Sehnsüchten und Ängsten der Menschen konfrontiert. Als sich das Gerücht verbreitet, dass ein neues Boot am Horizont aufgetaucht sein soll, eskalieren die Ereignisse …


NEUIGKEITEN

Die Straße vor dem Lokal war überfüllt. Eine große Lust am Reden war zu spüren, Aufforderungen und Fragen wurden in den Beginn und das Ende anderer Sätze gerufen, Teile daraus aufgegriffen, abgewandelt, neu kombiniert – nichts blieb ohne Einschub oder Gegenargument. Wie viele Gespräche fanden da zugleich statt, schnitten sich gegenseitig ab, griffen ineinander? Das gedämpfte Rauschen der Klospülung im Inneren des Lokals war zu hören, dann das Knallen einer Tür, das Zurren, als eine Frau den Reißverschluss ihres Anoraks öffnete, Möwengeschrei und immer wieder das kurze Zischen beim Öffnen der Bierdosen oder das Knackgeräusch, wenn jemand eine Dose zerknüllte und in die Straßenecke warf. Ein paar Straßen weiter waren Felsenbuchten zu sehen, Häuser direkt auf Stein gebaut, eins ans andere gedrängt, dazwischen die Haustore oder Durchgänge zu kleinen Innenhöfen, verbunden durch nur halb asphaltierte, buckelige Wege, Hunde schliefen vor der Bar, die Mauern daneben waren von Sprayern eingefärbt worden, da hingen auch Werbeblätter für einige Bücher. Weiterlesen →

Das Zeichen für Regen (Jana Volkmann)

In der Kolumne Leseproben gibt es regelmäßig Einblicke in Romane, Erzählungen und Gedichtbände. Alle Texte sind bereits in Buchform erschienen.


img_2137Berlin. Kyōto. Menschen in Hotels.Als Irene nach Kyōto zieht, um als Zimmermädchen in einem Hotel zu arbeiten, fühlt sie sich sofort angekommen. Berlin hat sie hinter sich gelassen, ebenso wie ihren Freund Timo und ihr Studium. Dass sie in Japan die Sprache kaum versteht, ist ihr eigentlich ganz recht, denn auch ihre neue Umgebung hält sie lieber auf Distanz. Bis Irene einen der Hotelgäste etwas besser kennenlernt, als es sich für ein Zimmermädchen gehört. Wer ist der mysteriöse Mann aus Zimmer 1009, und was will er von ihr?


1. Kyōto. Vor einem Jahr.

Wenn man auf dem Kansai International Airport landet, fühlt sich das an, als fiele man ins Meer.

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Mit Wolfgang Popp durch Marokko

Eine Roadnovel vom Ende der Straße, eine Geistergeschichte ohne Geister, ein Wüstentagebuch

Für den Autor und Journalisten Wolfgang Popp scheinen Reisen und Schreiben mittlerweile untrennbar miteinander verbunden zu sein. Kein Wunder, hat der Ö1-Kulturredakteur doch mehrere Jahre als Studienreiseleiter im Fernen Osten verbracht. In seinem viel gelobten Episodenroman Die Verschwundenen schickt er seine Protagonisten unter anderem nach Cambridge, Delphi, Sri Lanka und an den Amazonas – und an jeden dieser Orte kommt man als LeserIn gerne mit. Mit viel Gespür und feinem Sinn für Details lässt Popp jedes noch so kleine Städtchen lebendig wirken.

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Sommer-E-Book-Aktion

Einfach, weil Sommer ist, gibt’s die folgenden E-Books im Zeitraum vom 7. Juli bis zum 15. August günstiger als sonst:

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Bücher für den Sommer

Alle sprechen vom Urlaub, nur ihr müsst zu Hause bleiben? Oder findet ihr ohnehin, dass es daheim am schönsten ist? Vielleicht seid ihr aber einfach nur auf der Suche nach der richtigen Ferienlektüre?

Wir haben eine Auswahl unserer Top-Reisebücher der letzten Jahre zusammengestellt. Kommt mit unseren Autorinnen und Autoren um die Welt: von Kroatien, Italien und Griechenland bis nach Marokko, Ecuador und Japan – für Daheimgebliebene, StrandurlauberInnen, StädetouristInnen & Backpackers und sowieso für alle BücherfreundInnen. 

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Blick in den Herbst

Neue Bücher der Edition Atelier im Herbst 2016

Vorschau_h16_2.inddVerrückte Bücherwelt! Kaum haben sich die ersten Sonnenstrahlen durchgekämpft und das Fragezeichen hinter »Frühling« ist verschwunden, freuen wir uns über die Vorschau auf die Herbstbücher.  Während sich alles auf den Sommer einstellt, arbeiten wir an den folgenden Büchern für den Herbst – und der wird wieder mal sehr literarisch in der Edition Atelier:

 

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»Landschaft mit Vögeln«

Der Ort als literarische Figur

Der Autor und Kulturjournalist Wolfgang Popp hat eine große Affinität zum Reisen. Das zeigt vor allem sein Buch »Die Verschwundenen«, wo er auf lustvolle Weise seine Figuren und LeserInnen von einem Ort zum nächsten schickt. Wie sehr ihn die Geografie beim Schreiben seiner Romane beeinflusst, zeigt er derzeit in einer Foto-Ausstellung im Literaturhaus Wien.

Popp_Wolfgang_Autorenfoto_©_Edition_Atelier_F16_klSeine Romane führen die Leserinnen und Leser nach Cambridge, Belgrad, Delphi und Pompeji, aber auch in so exotische Länder wie Sri Lanka. An den meisten dieser Orte, die er in seinen literarischen Texten als Handlungsorte heranzieht, hat Wolfgang Popp selbst schon Zeit verbracht – als Reiseleiter und Journalist oder einfach als Urlauber. So ist ihm etwa auch Marokko ganz gut bekannt, wo er sein neues Buch Wüste Welt angesiedelt hat. Darin lässt er einen Wiener Musiker auf der Suche nach dessen Bruder durch die Wüste irren und so einiges erleben. Die Route, auf der wir diesen Abenteurer wider Willen in Wüste Welt begleiten, hat Popp großteils selbst bereist. Dem Schreiben des Romans ging eine Recherchereise voraus, in der Wolfgang Popp nicht nur als Autor, sondern vor allem als sein später ich-erzählender Romanheld unterwegs war. »Method Acting« für Schriftsteller also.

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Die fatalen Frauen: Milady de Winter

Pesl_Schurken_3D-CoverWas wäre die Welt ohne Schurken? Sherlock Holmes ohne Moriarty, Paris ohne Fantômas oder gar das Monster ohne Frankenstein? Im Herrn der Ringe würde vermutlich ununterbrochen gepicknickt, Alice würde den lieben langen Tag nur durchs Wunderland hopsen und Hannibal Lecter an Sojawürstchen knabbern. (Martin Thomas Pesl: Das Buch der Schurken. Die 100 genialsten Bösewichte der Weltliteratur)


Autor: Alexandre Dumas d.Ä.
Titel: Die drei Musketiere
(aus dem Französischen von August Zoller)
Originalfassung: 1844

»Ihr seid ein auf die Erde geschickter Teufel«, sagte Athos, »Eure Macht ist groß, ich weiß es, aber Ihr wißt auch, daß die Menschen oft mit Gottes Hülfe die furchtbarsten Teufel besiegt haben. Ihr habt Euch schon einmal auf meinem Wege gezeigt, ich glaubte Euch niedergeschmettert zu haben, aber wenn mich nicht Alles trügt, hat Euch die Hölle wiedererweckt.«

Ihre Augen können Blitze schleudern. Klingt brandheiß – im Sinne von gefährlich, aber eben auch im Sinne von sexy. Weiterlesen →

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