Der Heilige Hobo

Er aber zündete sein Schloss an und sprach zu den Jüngern: „Die, die alles haben, wollen nichts. Denn die, die nichts haben, haben alles.“ (Aus: Der Heilige Hobo, Kapitel 219, Vers 12)

Lass uns zur Abwechslung heute keinen Roman, sondern ein Epos verfassen. Oder etwas Bibelartiges. Eine religionsstiftende, heilige Schrift. Na gut. Irgendeine Idee? Ein Hobo. Sehr gut. Nein, ein Vertreter. Nein, ein Hobo, der früher Vertreter war. Jaaaa, das ist gut. Was ist geschehen? Es hat ihn aus der Bahn geworfen. Was hat der Vertreter verkauft? Staubsauger natürlich. Irgendwann hatte er seinen sinnlosen Beruf über die Maßen satt, der nur zum Geldverdienen da ist, überhaupt diese ganze dumme Geschäftemacherei und die ganze Gesellschaft obendrein, Steuern zahlen, Scheiße kaufen, die niemand braucht und die niemanden interessiert, alles für nichts und wieder nichts. Deshalb entschließt er sich eines Tages, alles über Bord zu werfen und ein Landstreicher zu werden. Er fährt mit seinem Auto an das Ufer eines Sees, öffnet den Kofferraum und wirft seine ganzen Staubsauger ins Wasser. Sogleich sinken sie bis auf den Grund des Gewässers. Nein, noch besser natürlich: Er versenkt auch sein Auto darin, lässt seine Brieftasche im Auto, damit alle glauben, er sei ersoffen. Aber niemand findet eine Leiche? Die wurde eben von Fischen aufgefressen. Vielleicht spielt die ganze Story ja auch am Meer, wo es Haie gibt. Aber das Auto und das Portemonnaie finden sie. Daher wird er zunächst für vermisst, später für tot erklärt. Aber er lebt und beginnt, sein Leben auf der Landstraße zu führen. „Der Heilige Hobo“ weiterlesen

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The Great Death Metal Pretender

Oh-oh, yes I’m the great pretender
Pretending that I’m doing well
My need is such I pretend too much
I’m lonely but no one can tell
(Buck Ram)

Also, welchen Roman schreiben wir heute?
Okaydigoodywoody, hier haben wir schon die erste Idee: Unser Held ist 45 Jahre alt und Maschinen-Designer, ein gut bezahlter Job. Er lebt mit seiner Frau und drei Kindern in einer noblen Gegend. Und er hat ein Hobby: Er spielt Gitarre in einer Death-Metal-Band. Aber seine Frau, seine Arbeitskollegen, seine Kinder wissen nichts davon. Er behält dieses Steckenpferd als sein kleines Geheimnis für sich. Seine Frau ist sehr konservativ. Lieber sagt er ihr, dass er zweimal die Woche Tennis spielen geht. Und das schon seit fünf Jahren. Seine ganze Verwandtschaft ist sehr religiös. Aber eines Tages passiert es: Ein Bandmitglied hat ein Demo-Tape aufgenommen und an Labels verschickt, und plötzlich steht der Band ein Major Deal ins Haus, ein Plattenvertrag, ihre Musik wird in Fernsehserien gespielt, beim Super Bowl-Finale … und dann die große US-Tour …
So. Aber was weiter? „The Great Death Metal Pretender“ weiterlesen

Der Mann in der schwarzen Limousine

I’m the man in the dark sedan and I have come to take your hand
I was sent down here to be sincere, truthful and steadfast
I came to say that judgement day of man has come to pass
You can follow me and I guarantee to take you far away
But we must leave before the eve of everlasting gray
You will leave this place and soon replace the names of those you know
With a brotherhood that has withstood the leeches and the snow
(Snakefinger, „The Man in the Black Sedan“)

 Die ganze Welt wartet auf ein neues Meisterwerk von Antonic & Ratia. Gibt es einen Plan? Noch nicht. Aber vielleicht bald. Wie wär’s beispielsweise mit einem Mann, der an einer Landstraße mitten im Wald eine Tankstelle betreibt? Lappland. Kein Dorf weit und breit. Nur die Straße und die Tankstelle. Gut. Was weiter? Jeden Tag bleiben hier bloß zwei oder drei Autos stehen, um zu tanken, vielleicht einen Kaffee oder einen Snack einzunehmen, und dann fahren sie wieder weiter in Norden. Oder in den Süden. Und während seiner langen Arbeitspausen liest der Mann Science-Fiction-Romane. Er heißt Timo. Und er träumt davon, eines Tages auch einen Science-Fiction-Roman zu schreiben. Gut. Ist das der Anfang? Wir haben bereits begonnen. „Der Mann in der schwarzen Limousine“ weiterlesen

Das zerbrochene Parfüm

Mein Hass war ein Käfig, der meine Liebe einsperrte, und ich wusste nicht, ob ich die Kraft haben würde, den Weg in die Freiheit zu finden.
(Norman Mailer)

Gut. Da war dieser Typ … Nein, da war diese Frau. Eine Frau? Ja? Einverstanden? Gut. Die Heldin, eine Frau. Sie ist verheiratet mit einem recht langweiligen, bescheuerten Typen. Welchen Beruf hat die Frau? Sie arbeitet in einer Drogerie. In einer Parfümerie. Sie hasst ihren Job. Sie muss raus aus allem. Aber sie steckt fest. Warum hat sie denn ihren Mann geheiratet? Sie wurde schwanger. Das ist allerdings heutzutage kein Grund mehr, mit jemandem zusammenzubleiben, den man nicht mehr liebt. Damals liebte sie ihn jedenfalls noch. Ihr fehlt einfach die Kraft, ihr Leben zu ändern, die Sache in die Hand zu nehmen. Was soll sie bloß tun? Soll sie ihn umbringen? Früher war der Mann ein charmanter Kerl. Jetzt: null. Was ist passiert? Männer verändern sich im Laufe der Zeit. Sie wähnen sich in einem sicheren Hafen, nachdem sie sich verheiratet haben, und dann bemühen sie sich nicht mehr darum, die Beziehung reizvoll zu gestalten. Sie kommen nicht mehr mit einem Blumenstrauß nach Hause, sie führen die Frau nicht mehr aus, sie sehen lieber fern anstatt ins Kino zu gehen, setzen sich nach zehn Jahren immer noch nicht hin beim Pissen, wischen ihre Urinspritzer nicht von den Fliesen (putzen sowieso niemals das Klo) und klappen nicht einmal die Klobrille wieder herunter, nachdem sie ihr Geschäft verrichteten (oder sie klappen sie erst gar nicht hoch, weshalb dann auch auf der Klobrille Urinspritzer sind), und so weiter. „Das zerbrochene Parfüm“ weiterlesen